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Camping im Nationalpark Cape Scott

Valentin 11

19. September 2021. 04:00 AM. Mein Wecker klingelt. Ich stehe auf, putze mir die Zähne. Da ich noch nicht wirklich hungrig bin, esse ich nichts zum Frühstück. Ich packe meinen, am gestrigen Abend gepackten Rucksack, ins Auto. 04:24 AM. Der Motor springt an. Zum ersten Mal sehe ich etwas anderes außer Schwarz – die Reflektion des Scheinwerferlichts an der Garage. Kurz darauf fahren wir los. Ich sehe wieder nur Schwarz. Um halb fünf sind wir dann am Haus von Steve und O angekommen. Steve ist ein guter Freund von Lisa, meiner Gastmutter. O (Ist die Abkürzung für seinen Namen, den niemand aussprechen kann und den ich mir auch nicht merken konnte) ist der Freund von Steve’s Tochter. Des Weiteren war noch Nathaniel, mein 15-jähriger Gastbruder dabei. Die beiden haben ihre Rucksäcke eingeladen und wir sind losgefahren… Um circa 6 Uhr habe ich dann doch ein Sandwich gegessen. Die nächste Stunde war wunderschön. Wir haben die Sonne zwischen den Bäumen aufgehen sehen, haben vom Nebel umhüllte Berge gesehen und einen lila Himmel direkt über dem endlos langen Highway. Um 7 Uhr haben wir uns dann nochmal die Beine ausgetreten, bevor wir kurz vor Port Hardy, BC. (Die letzte große Stadt der Insel Richtung Norden) eine Abbiegung nach links auf einen 60+ Kilometer langen Schotterweg machten. Um circa 10 Uhr, nach ungefähr 5 Stunden Fahrt sind wir endlich am Parkplatz in San Josef Bay angekommen. Dort haben wir noch ein Sandwich gegessen bevor wir unsere Regensachen angezogen haben, unseren Rucksack aufgesetzt haben und um Punkt 10:13 losgegangen sind. Nach 900 Metern normaler weg, kam das erste Schild: Nels Bight → 16.4 km. Und da hat das richtige Abenteuer begonnen. Wir sind insgesamt mehr als 17 Kilometer mit (ich) knapp 30 Pounds (13,6+ kg) gewandert. Nur zum Vergleich: Ich wiege rund 130 Pound (60 Kilo). Der Hinweg war atemberaubend. Wunderschön. Magisch. Unbeschreiblich. Wir liefen also 17 Km durch Schlamm, Matsch und knietiefe Pfützen. Aber trotzdem kann ich die atemberaubende Schönheit der Natur nicht in Worte fassen. Ich konnte den Wandertrip nicht genug genießen. Etwa auf der Hälfte des Wegs, an der Fishermans Bridge haben wir dann einen Stopp eingelegt und ein paar Müsliriegel gegessen. Wir haben des Weiteren auch noch ein paar kleinere Zwischenstopps eingelegt, um den Rucksack mal kurz abzusetzen und zu entspannen, bevor es weiterging. Etwa auf ¾ des Weges habe ich dann den Rucksack von Nathaniel getragen, der nochmal knapp 10 Pounds schwerer war. Dann ging es auch schon weiter. Meine Schuhe waren mit Wasser gefüllt, ich konnte meine Füße fast nicht mehr spüren und meine Beine waren am Schmerzen, aber ich könnte schon fast sagen, die Natur hat mich am Wandern gehalten. Zwischendurch kam dann doch nochmal ein Segen: der Boardwalk. Wir sind dann um 17:41 Uhr endlich angekommen. Nach 7,5 Stunden Wandern sind wir dann endlich am Beach angekommen und es war ebenfalls atemberaubend. Wir haben dann unser Camp aufgebaut und Abendessen mit dem Gaskocher warm gemacht. Am nächsten Morgen sind wir circa um 7 Uhr morgens aufgestanden, dass dann nach 04:00 morgens doch nicht mehr so spät scheint aufgestanden. Als wir das Frühstück dann aus den Bär lockern, die verhindern, dass Bären das Essen klauen, geholt haben, habe ich meinen ersten Bären in Wildlife gesehen. Am Strand waren auch noch 2 Frauen, die am gestrigen Tag circa um dieselbe Uhrzeit losgegangen sind. Die Frauen wahren anscheinend ein wenig eingeschüchtert von dem Bären, das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie einen Helikopter gerufen haben. Ja- ohne Witz, die beiden haben sich einen Heli ans Ende der Insel gerufen. Später haben wir erfahren das, das circa mehr als 30 und bis zu 42,5 Tausend Dollar kostet, solang es kein expliziter Notfall ist. Und die Frau konnte offensichtlich noch laufen, also wird ihr Aufenthalt vermeintlich teuer. Etwas später, haben wir vergeblich versucht den Weg zum Leuchtturm zu finden. Als wir ihn schließlich gefunden haben, konnten wir ihn trotzdem nicht passieren, da 2 Bären uns, den Weg versperrt haben. Es waren Mama, Papa und 2 Baby Bären um genau zu sein. Also haben wir uns entschieden einen Orga-Tag zu machen. Wir haben Feuerholz aus der Rangers-Cabin (da wo die Ranger schlafen und es auch außerhalb von Corona für die Öffentlichkeit geöffnet ist) geholt und uns frisches Regenwasser besorgt. Wir haben mit planen unser Camp noch ein bisschen aufgepimpt, ein Lagerfeuer gemacht und unsere Gegend erkundet. An diesem Tag habe ich auch schon meinen ersten Muscheln gepflückt und selber am Lagerfeuer gekocht/gegrillt. Die vor 1h gepflückten Muscheln waren total lecker und die frischesten Muscheln in meinem Leben noch dazu. Am nächsten Tag haben wir uns dann wirklich auf den Weg zum Cape Scott Lighthouse gemacht. Nach 2,5 Stunden Wandern sind wir dann am Leuchtturm angekommen. Am nördlichsten, zu Fuß erreichbaren Punkt, der Insel. Dort haben wir dann den 2-ten Helikopter abheben gesehen, da alle 3 Monate dort essen mit dem Heli hingeliefert wird, und wir zufällig da waren. Auf dem Rückweg sind wir dann noch zu einem kleinen Beach gegangen und dort habe ich meinen ersten Wal gesehen. However, der Wal wurde angespült und war tot, aber -guess what- Ich habe ihn berührt! Ja, wirklich, so habe ich meinen ersten Wal berührt. Auch wenn er tot war, Wal ist Wal. Als wir zurückkamen waren wir etwas entsetzt, da unser ganzes Frühstück weg war und die Packungen aufgerissen waren. Es waren wahrscheinlich Raben. Also haben wir beschlossen, leider schon am Donnerstag, anstatt Freitag zu gehen. Wir haben also unsere nassen Sachen über dem Lagerfeuer aufgehängt und uns am Lagerfeuer mit einer heißen Schokolade aufgewärmt. Später haben wir dann noch total leckeres Abendessen gegessen. Es bestand aus getrocknetem Essen z.B.: Nudeln und Soße, das dann mit heißem Wasser vom Gaskocher aufgewärmt wurde und gut geschmeckt hat. Am nächsten Morgen haben wir dann entschieden, die nächste Bucht zu erkunden. Wir haben uns also auf den Weg gemacht und sind durch meterhohe Büsche gelaufen. Es gab nicht mal einen weg und daher mussten wir uns durch Büsche kämpfen und unseren eigenen weg finden. Wir sind teilweise auf den Büschen drauf gelaufen, weil sie zu dicht aneinander waren und es keinen weg gab. Am anderen Ende unseres Weges waren dort viele Felsen und sehr hohe Wellen. Danach sind wir um die Bucht herum gegangen, ebenfalls über total hohe Felsen und undurchdringbare Büsche. Als wir aus den Büschen rauskamen, sind wir total erleichtert und sichtlich erschöpft um circa halb zwei am Zelt angekommen. Am letzten Abend haben wir nochmal zum letzten Mal Muscheln am Lagerfeuer und mit einem schönen Ausblick aufs Meer und in der Ferne auf eine kleine Insel, die vor Vancouver Island lieg, gegrillt. Am nächsten Morgen sind wir dann um 6 Uhr morgens aufgewacht, und haben unsere Sachen gepackt. Nach dem Frühstück haben wir das restliche Essen noch an die Vögel verfüttert und wir waren nochmal auf Toilette. Um 08:10 sind wir dann losgegangen. O ist schon vorgegangen und ich war auch etwas schneller als die anderen, trotzdem haben wir versucht zusammen zu bleiben. An der Brücke haben wir wieder einen Snack eingelegt und dann ging es auch weiter mit der Wanderung. Es war wieder wunderschön und nochmal interessant den ganzen Weg von einer anderen Perspektive zu sehen. Also sind wir nochmal durch endlosen Schlamm, Steine und Boardwalk gegangen. Wir haben eine Brücke überquert und ich habe den schönsten See seit langem gesehen. Die Fotos dazu kommen noch, versprochen : ) . Es hat sich ein wenig wie in einem Regenwald angefühlt, weil alles nass war aber es nicht geregnet hat. Lag vielleicht auch daran, dass es schon fast einer war. Wir sind um 14:27 Uhr, also nach 6h und 17 min am Parkplatz angekommen. Wir haben alle unsere dreckigen Sachen in einen Beutel geschmissen und sind mit Fenstern ganz unten aus dem Wald herausgefahren, wobei wir auch einmal abgehoben sind und einen Baum passiert haben, an dem viele Menschen ihre kaputten Wanderschuhe hinterlassen. In Port Hardy haben wir uns dann bei A&W Burger geholt. Das war einer der besten Burger und Essen seit langem. Danach sind wir dann zurückgefahren und haben noch einen schönen Sonnenuntergang gesehen, bevor wir Steve und O abgesetzt haben, unser Gepäck ausgeräumt haben und zu Hause die neuen Chicken begrüßen durften. An dem Abend haben wir auch endlich mal wieder richtiges essen genießen dürfen. Am nächsten Tag, Freitag hatte ich keine Schule, da ich -zum Glück- für die ganze Woche frei geschrieben war. Also konnte ich am Freitag endlich wieder ausschlafen. Den Tag haben wir dann noch mit Aus- und Aufräumen verbracht und wir haben das Auto sauber gemacht.

Sooo… das war mein erster richtiger (wunderschöner) Campingtrip in Kanada. Es war total schön und faszinierend so viel neue Natur auf einmal zu erleben. Es war ein echt cooler Wandertrip und ich hoffe dieser Blogeintrag hat euch geallen. Ich weiß, dass dieser eintrag Sooooooo lang war, aber es gab aber auch einfach sooo viel zu erzählen. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Eintrag euch gefallen hat.

Viele Grüße nach Deutschland

Valentin

  1. Claudia Klemm Claudia Klemm

    Super Valentin, hört sich sehr spannend an 🤩

  2. Ralf Schabedoth Ralf Schabedoth

    Hallo Valentin,
    Es freut ich, dass Du es gut angetroffen hast.
    Deine Blogs lese ich mit viel Freude, ich bin schon gespannt auf den nächsten.

    • Hallo Ralf,
      vielen dank für deinen netten kommentar. Das freut mich sehr😊.
      Viele Grüße 🇨🇦
      Valentin

      • Elies Elies

        Hi Valentin!
        Das hört sich sehr spannend an, was du erlebst.
        Bei den Erzählungen über die Natur werde ich richtig neidisch. Mein Arbeitskollege kommt aus Saskatchewan, einer kanadischen Provinz und erzählt auch sehr viel über die Landschaft und den Temperaturen im Winter dort.
        Wünsche dir noch viel Spaß und bleib gesund!

        Elies

  3. ulla.klemm@t-online.de ulla.klemm@t-online.de

    Hallo mein lieber Valentin,
    du hast einen fantastischen Bericht geschrieben, sehr detailliert, alle Achtung, sehr gut formuliert, da hast du ja ein ganz intensives Erlebnis von Natur, Meer und Himmel und Wolken gehabt. Das mit den Bären ist ja schon ein bisschen angsteinflößend.

    Wir haben den Geburtstag von Hanns-Josef Ortheil in wissen an der Sieg gefeiert, es war auch sehr interessant, Hanns-Josef hat eine Lesung gehalten mit einem Moderator und hat aus seinem Leben erzählt, er hat eine schwierige Herzoperation, völlig unvorhergesehen, die hat ihn dann eteas aus der Bahn geworfen und ihm neue Lebens-perspektiven gezeigt. Ich war mit Dorit in wissen, seiner Heimatstadt und Mama war mit Papa in der Flora wo er im Rahmen der „lit Cologne“ las.
    Hier stegen die Coronazahlen wieder, aber es soll ein Weihnachtsmarkt geben und der Hubertusmarkt und der Martinsmarkt haben schon stattgefunden.
    Ich wünsche dir noch weiter schöne Erlebnisse mit den Menschen, die um dich herum sind und dem Eintauchen in eine fantastische Natur.

  4. Barbara Barbara

    Schön, von dir zu hören, Valentin. Alles sehr beeindruckend.

  5. Angelika Diller Angelika Diller

    Lieber Valentin,
    Deine Wandererlebnisse sind außergewöhnlich, wie gut, dass Du körperlich so gut „drauf“bist und die ganzen Strapazen auch noch genießen kannst, das wäre für mich unvorstellbar. Du hast es sehr anschaulich beschrieben.

    Lass es Dir weiter gut gehen, herzliche Grüße von Angelika

  6. Elies Elies

    Hi Valentin!
    Das hört sich sehr spannend an, was du erlebst.
    Bei den Erzählungen über die Natur werde ich richtig neidisch. Mein Arbeitskollege kommt aus Saskatchewan, einer kanadischen Provinz und erzählt auch sehr viel über die Landschaft und den Temperaturen im Winter dort.
    Wünsche dir noch viel Spaß und bleib gesund!

    Elies

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